Schule lehrt das Lernen 
Mit einem Geschenk bedankt sich Schulleiter Dr. Jürgen Schröder (rechts) bei den Schülern Manuel Nesper (links) und Gero Kühnemundt (Mitte) 
für die Gestaltung von sieben Lernplakaten.

„Schüler lernen falsch.“ „ Sie lernen chaotisch, zu wenig und nur auswendig.“ Realität oder nur Lehrer-Vorurteile? Das fragten sich vor einigen Jahren die Steinbeis-Lehrer Ralf Geiger, Hartwig Hils, Dr. Peter Karsten, Frank Rinnus und Günter Weiß. Und sie kamen zu dem Ergebnis, dass nur sicher ist, dass viele Schüler noch nie richtig das Lernen gelernt haben. Daraus entstand ein umfassendes Schulentwicklungsprojekt, in dem die Schüler gleich zu Beginn der 11. Klasse in einem dreitägigen Seminar systematisch das Lernen lernen.

„Texterschließung durch Markieren“, „Begriffsklärungen“, „Erstellung von Strukturbildern“, „Lernen mit einem Partner und in Gruppen“, „Merktechniken“, „Lernstrategien“, „Tipps zum Vokabellernen“ sind Elemente des Lernkurses. Die schwierigste, aber erfolgreichste Lerntechnik ist das Anfertigen von intelligenten Spickzetteln, von den Lehrern jedoch „Strukturbilder“ genannt. Komplexe Sachverhalte und ganze Unterrichtseinheiten müssen die Schüler in wohl geordnete Strukturbilder bringen. „Wer das kann und sich dieser nicht ganz einfachen Mühe unterzieht, wird sein vernetztes Wissen nicht nur bei der nächsten Klassenarbeit parat haben, sondern noch Monate oder gar Jahre später auch bei der Abschlussprüfung“, ist sich die Lehrergruppe sicher. 

Manuel Nesper und Gero Kühnemundt, inzwischen Schüler der 12. Klasse des Technischen Gymnasiums, haben den Kurs „Lernen lernen“ nicht nur erfolgreich mitgemacht, sondern ließen sich von ihren Lehrern animieren, zusätzlich zum Unterricht mit dem Programm Adobe Photoshop sieben Lerntipps zu visualisieren. Acht Monate lang haben die beiden Gymnasiasten gestaltet, den Lehrern Entwürfe vorgelegt, verworfen, Änderungen vorgenommen, bis schließlich sieben Plakate fertig waren. In der vollen Aula der Steinbeisschule präsentierten sie Mitschülern und Lehrern die Lernplakate. „Üben, üben, üben!“ lautet der erste Lerntipp. Damit ist klar, dass keine billigen Lernrezepte verkauft werden. Lernen bleibt weiterhin mühsam, aber es scheint doch Techniken zu geben, die wie im Sport die Leistung systematisch verbessern helfen. „Lerne deinen Heftaufschrieb nicht einfach auswendig, sondern fertige einen Spickzettel mit Bildern, Strukturbildern und Farben an“ heißt es in einem anderen Lerntipp. Und alle Schüler mussten tatsächlich  – so Gero Kühnemundt – einen ganzen Tag lang als Klassenarbeitsvorbereitung in Chemie, Mathematik und Geschichte den Unterrichtsstoff in farbige, strukturierte „Spickzettel“ konzentrieren. Auch für das Pauken vieler Begriffe haben die Schüler ein Plakat entworfen. „Mehrere Begriffe kannst du dir gut merken, wenn du aus den Anfangsbuchstaben ein Akronym (Phantasiewort) bildest“, steht unter der bildlichen Darstellung. 

„Die Lerntipps bringen tatsächlich was, man muss sie aber konsequent anwenden“, meinte Manuel Nesper zum Schluss der Präsentation. 120 Schüler und mehrere Lehrer waren begeistert von den Plakaten. „So etwas gibt es in dieser Form noch nicht“, freute sich Studiendirektor Günter Weiß.  Schulleiter Dr. Jürgen Schröder dankte den beiden Schülern für ihre Kreativität, ihr Durchhaltevermögen und ihr ungewöhnliches Engagement mit einem Geschenk und einem Zertifikat. „Die Plakate werden im Schulhaus eingerahmt für alle Schüler zugänglich direkt neben dem Leitbild der Schule aufgehängt, in dem es heißt, dass die Eigenverantwortung der Schüler für das Lernen gefördert werden soll. Ihr seid mit euren nützlichen Kunstwerken  ein Vorbild für eure Mitschüler, lobte Schröder die beiden Schüler. Kräftiger Beifall der 120 anwesenden Schüler und der Lehrer unterstrichen seine Worte.


 
Text und Bilder : H.Hils
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