Die
Geschichte der Medizintechnik
Betrachtet man die Geschichte der
Medizintechnik in Tuttlingen, muss man gut 300 Jahre zurückblicken.
Die Ursprünge für die Produktion chirurgischer
Instrumente und die Entwicklung der Medizintechnik liegen im Tuttlinger
Ludwigstal : Gegen Ende des 17. Jahrhunderts führten die damals reichhaltigen
Bohnerzvorkommen in der Umgebung Tuttlingens, die günstige geographische
Lage der Stadt an der Donau und die großen Holzvorräte in der waldreichen
Gegend zur Erbauung des Herzoglichen Eisenschmelzwerks im Tuttlinger Ludwigstal
( heute Schwäbische Hüttenwerke ) |
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So gewann das eisenverarbeitende Handwerk
hier rasch an Bedeutung. Zwar führten lange die Schuhmacher die Liste der
am meisten ausgeübten Berufe an und begründeten Tuttlingens Ruf als " Schuhstadt
". Dennoch zählte man um 1800 bereits über zwanzig Messer- und Nagelschmieden
in Tuttlingen, schon über 100 waren es nur 50 Jahre später, darunter drei,
die bereits als " Messerschmiede und chirurgische Instrumentenmacher "
firmierten. Im 19. Jahrhundert wuchs dieser Wirtschaftszweig nach und nach
zum bedeutendsten Handwerk in der Stadt.
Handwerksgesellen zogen zu dieser Zeit
auf ihren Lehr- und Wanderjahren durch Europa, sammelten Ideen und setzten
das Erlernte in den heimischen Betrieben um. Johann-Peter Hebel hat diesen
Gesellen in seiner Geschichte vom Kannitverstan ein literarisches Denkmal
gesetzt. Viele von ihnen führte ihr Weg nach Paris, das damals als fortschrittlichstes
Zentrum der Chirurgie - dem seinerzeit modernsten Zweig der
Medizin - galt.
Zu ihnen gehörte auch der Tuttlinger
Gottfried
Jetter. Er legte mit der Gründung seines Betriebes 1867 den Grundstein
zu den heute in aller Welt bekannten Aesculap-Werken,
heute Tuttlingens größter Arbeitgeber. Als erster begann er mit der serienmäßigen
Produktion - anders als seine Konkurrenten im In- und Ausland, die meist
auf handwerklicher Basis bescheidene Stückzahlen herstellten.
Als im Jahr 1877 die erste Dampfmaschine
aufgestellt wurde, trat Karl Christian Scheerer, einer der bedeutendsten
württembergischen Industriellen seiner Zeit, in das Unternehmen ein. Aus
der kleinen Werkstätte wurde 1895 die " Aktiengesellschaft für Feinmechanik,
vormals Jetter & Scheerer ".
Immer mehr Messerschmieden ergänzten
ihre Produktpalette mit chirurgischen Erzeugnissen oder stellten ihr Produktionsprogramm
in Gänze auf die medizinisches Gerät um. Zunächst waren das einfachere
Instrumente wie Skalpelle, Klemmen, Scheren oder Pinzetten.
Tuttlingen wurde zur " Stadt der
Instrumentenmacher ".
Schon bald nach der Jahrhundertwende
wurde der Zwang zur Spezialisierung spürbar. Kleinere Betriebe waren damit
überfordert, alle Arten von Instrumenten herzustellen; außerdem ermöglichte
nur die Spezialisierung die Herstellung größerer Serien.
Die Entwicklung kleiner Handwerksbetriebe
zu Industriebetrieben um die Jahrhundertwende wird auch am Beispiel der
Aesculap-Werke
deutlich: In nur zehn Jahren wuchs die Belegschaft des Unternehmen auf
120 Arbeiter.
Kriege und Krisen konnten den rasanten
Aufstieg der Chirurgiemechanikbranche in Tuttlingen kaum spürbar verlangsamen.
Während die einstmals in Tuttlingen so dominierende Schuhindustrie nach
dem Ende des Ersten Weltkrieges dramatische Einbrüche erlebte, entwickelten
sich die chirurgiemechanischen und medizintechnischen Betriebe weiter.
Allein 14 neue Unternehmen entstanden in der Inflationszeit anfangs der
20er Jahre.
Ein weiterer Entwicklungsschub lässt
sich in der Aufbruchstimmung nach dem Zweiten Weltkrieg ablesen: Zwischen
1945 und 1955 wurden 12 Firmen gegründet, darunter die mit Aesculap
wohl weltweit bekannteste Tuttlinger Firma,
die Fa.
Karl Storz Endoskope heute ein Weltunternehmen mit Produktionsstätten
in Tuttlingen, in der Schweiz und in den USA und mit weltweit über 1.500
Beschäftigten.
Optische Hilfsmittel, Kenntnisse aus
der Physik, die Elektrotechnik und schließlich Elektronik und Lasertechnik
hielten Einzug in die medizintechnischen Betriebe. Der Firmengründer und
Tuttlinger Ehrenbürger Dr. h.c. Karl Storz machte sich mit der Entwicklung
zahlreicher neuer Patente in Fachkreisen weltweit einen Namen.
Die " mikro-invasive Chirurgie " revolutionierte
und optimierte die bis dahin bekannten Operationstechniken.
Dabei beschränkt sich der Einsatz
von Endoskopen heute nicht mehr allein auf den medizinischen Bereich. Eine
Vorreiterrolle in der Entwicklung neuer Produkte - gerade auch bei den
flexiblen Endoskopen - spielen dabei bis heute immer wieder Unternehmen
aus Tuttlingen. Dies zeigt, daß es die Tuttlinger Medizintechnik immer
wieder versteht, sich auf sich verändernde Produktionsbedingungen und Nachfragesituationen
einzustellen - angesichts der weltweiten Konkurrenz, insbesondere aus den
fernöstlichen Märkten, sicher ein Schlüssel für den Erfolg von morgen.
weitere Infos : www.Tuttlingen.de
: Geschichte
der Medizintechnik.pdf
Quelle : http://www.Tuttlingen.de
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